CRUSTA10 – Österreichische Flusskrebszucht
FRESHWATER CRAYFISH HATCHERY AUSTRIA
Astacus - Austropotamobius - Pacifastacus - Astacidae, Cambaridae, Parastacidae

Krankheiten

Neben der alles überschattenden Krebspest, die in einem eigenen Abschnitt behandelt wird, treten bei Flusskrebsen noch verschiedene andere Erkrankungen auf.

Hier werden die bei unseren heimischen Krebsen häufigsten und auch vom Laien zu erkennenden Krankheiten angeführt.

Leider ist es bei den meisten dieser Erkrankungen so, daß es keine Behandlungsmethoden gibt.
Krebshandel und Krankheiten:
Durch den heute weltweiten Handel mit Flusskrebsen werden verschiedene Erreger mit den Flusskrebsen verbreitet. Es wurden bereits einige Viren und Bakterien beschrieben, die auf diesem Weg andere Kontinente erreicht haben.
Welche Auswirkungen auf Krebsbestände die Verbringung von Krankheiten in andere Gebiete (Kontinente) haben kann, ist anhand der Krebspest bei uns leider zu beobachten.
Man sollte sich daher, wenn man sich mit importierten Flusskrebsen (oder solche selbst mitbringt) beschäftigt, bewußt sein, welche Gefahr davon ausgehen kann und die nötige Vorsicht (keine Freisetzungen!!! siehe auch „Aquarienseite„) walten lassen.
Neben den für Krebse gefährlichen Erreger gibt es aber auch für den Menschen relevante Krankheiten (Paragonimiasis), welche durch exotische Flusskrebse übertragen werden können.
Porzellankrankheit:

Die Porzellankrankheit wird durch den Microsporid Thelohania contejani hervorgerufen. Da dieser in den Muskelzellen des Wirtes lebt  ist eine Behandlung durch Bäder wirkungslos. Die einzige Möglichkeit den Erreger zu erreichen wäre über den Stoffwechsel. Leider gibt es keine Medikamente speziell für Krebse. Auf alle Fälle sollten befallene Tiere isoliert werden, denn die genauen Infektionswege sind nicht bekannt.

Rost- oder Brandfleckenkrankheit:
Der Erreger ist ein Fadenpilz ( Ramularia astaci bei Astacidae und Didimaria cambari bei Cambaridae) oder tritt als multifaktorelle Erkrankung im Zusammenspiel mit verschiedenen Bakterienarten auf. Sie ist leicht an der Verfärbung des Panzers zu erkennen. Eine solche Verfärbung kann von Schwarz bis Orange sein. Eine orange Verfärbung tritt meist auch bei mechanischen Beschädigungen des Panzers auf, ebenso an den Bruchstellen, wenn Gliedmaßen abgetrennt werden. Das kann sich mit der nächsten Häutung wieder geben, aber auch der Ausgangspunkt eines verstärkten Auftretens werden.
Treten diese Erscheinungen aber ohne äussere Einwirkung, langsam, zuerst punktförmig und dann sich bis zu geschwürartigen Erhebungen vergrößernd auf, liegt ein akuter Verlauf der Infektion vor. Eine Behandlung ist schwierig, man sollte vorbeugend immer etwas moderndes Laub (Erfahrungen mit Erlenlaub am besten) verfüttern und im allgemeinen für eine abwechslungsreiche Ernährung und gute Wasserqualität sorgen.

Krebsegel:
Die Krebsegel (Branchiobdellida) gehören eigentlich nicht auf die Seite mit den Krankheiten, denn diese Tiere sind eigentlich keine Parasiten, sondern in den meisten Fällen Kommensalen oder gar Symbionten. Nur eine Art ist fakultativer Parasit (siehe Text weiter unten), sie weiden den Aufwuchs (Pilze, Algen, Bakterien) auf dem Krebspanzer ab und sorgen damit auch für eine gewisse „Reinigung“ der Krebse. Sie werden hier angeführt, weil sie gewöhnlich für Parasiten gehalten werden und daher am ehesten an dieser Stelle danach gesucht wird.
Es gibt 4 Arten von Krebsegeln welche auf unseren heimischen Flusskrebsen leben.

 

Branchiobdella parasita
Großer Krebsegel, bis 12 mm Körperlänge, Farbe weiß bis zartrosa, ernährt sich von Aufwuchs, Ciliaten aber auch grösserer Beute. Kein Parasit! Die Kokons werden meist seitlich am Carapax abgelegt. Die Tiere halten sich am Carapax und am Hinterleib (Abdomen) auf.


Branchiobdella
pentadonta
Kleiner Krebsegel, kaum über 4,5 mm Körperlänge, weiß, manchmal scheint gefüllter Darm leicht bräunlich durch, lebt von Organismen, die auf dem Krebspanzer wachsen und wahrscheinlich Kommensale. Sitzt an der Unterseite der Krebse und an den Scheren. Die Kokons werden bevorzugt an den Basalgliedern des ersten Schreitbeinpaares abgelegt.

Branchiobdella
balcancia
Kleiner Krebsegel, max. 4-5 mm Körperlänge, weiß, gefüllter Darm kann bräunlich durchscheinen. Als Nahrung dient Aufwuchs, Detritus und kleine Insektenlarven. Kommt hauptsächlich an den Scheren, am vorderen Kopfbrustpanzer und um die Mundwerkzeuge vor. Die Kokons wie bei B. pentadonta.

Branchiobdella
hexadonta
Sehr kleine Krebsegel, in der Regel nur 3-4 mm Körperlänge, in den Kiemenhöhlen und manchmal an der Unterseite. Oft äusserlich nicht sichtbar. Fakultativer Parasit, lebt manchmal auch vom Kiemengewebe des Wirtes. Bei starkem Auftreten aber auch „mechanische“ Beeinträchtigungen in den Kiemenhöhlen möglich.

Aber auch die in Europa eingebürgerten Krebsarten haben „ihre“ Krebsegel mitgebracht. So gibt es auf den Signalkrebsen die Art Xironogiton instabilis

oder auf dem Roten amerikanischen Sumpfkrebs P. clarkii die Art           Cambarincola mesochorus

Die Krebsegel sind in der Regel „wirtstreu“ und wechseln nicht auf ihnen fremde Flusskrebsarten über.